FLASHBACKS

 

Trauma, Trigger & Flashbacks

 

Traumatische Erlebnisse werden vom Gedächtnis oft nicht komplett, sondern fragmentiert, z.B. als Körpererinnerungen, Gerüche, Geräusche oder Bewegungen abgespeichert. Von der Umgebung ausgelöste Reize (Trigger) können damit assoziiert werden und zu einem Wiedererleben des Traumas (Flashback) führen. Die schmerzhaften Ereignisse können auf diese Weise auch noch Jahrzehnte später in der Erinnerung auftauchen und den Betoffenen schlagartig mit sämlichen Empfindungen in die Vergangenheit zurückwerfen. Falls Sie eine ausführliche Definition und Beispiele von Triggern gesucht haben, werden Sie auf dieser Seite fündig: Trauma-Trigger – Definition & Beispiele (posttraumatische-belastungsstoerung.com)

 

Dazu packe ich noch einen Text von multicorner.de, in dem ein paar wichtige Hinweise gegeben werden, wie man sich als Angehöriger verhalten kann, wenn ein Betroffener ein Flashback hat:

 

"Flashbacks sind, um es ganz kurz zu formulieren, "lebendige Alpträume". [...]

Wenn Du miterlebst, wie jemand einen Flash hat (was die umgangssprachliche Kurzform ist), dann solltest Du sie vor allem NICHT in den Arm nehmen, am besten gar nicht berühren. Der Drang, sie in den Arm zu nehmen und zu sagen, daß alles nicht real ist, ist sicher groß und es ist auch bestimmt nicht leicht, untätig danebenzustehen, aber Du hilfst ihr nicht, wenn Du Dich nicht daran hältst. Sie kann Dich nicht wahrnehmen und wird Deine Umarmung wie eine Fessel empfinden oder ähnliches, auf jeden Fall als Bedrohung. Du machst es also nur schlimmer. Wenn eine Innenperson einen Flash hat, dann kann es auch passieren, dass der Host den gleichen Flashback bekommt, dadurch auch unter Umständen Dinge erfährt, die er vorher noch nicht wusste. Wenn der Host das nicht verkraftet, können dabei neue Personen entstehen, besonders, wenn das System noch nicht stabil ist."

 

Es kann sehr hilfreich sein, sich über die Flashbacks mit jemanden auszutauschen, jedoch gleicht dies auch immer einem gefährlichen Drahtseilakt, da es den Betroffenen schnell überfordern und im schlimmsten Fall sogar zu Retraumatisierungen kommen kann. Als ich damals Freunden von meinen Traumata erzählte, gab es einen, der vor Verzweiflung anfing zu lachen und welche, die mich panisch anschauten und vorgaben, plötzlich irgendwo hin zu müssen, sodass ich mich noch mehr allein gelassen fühlte, als zuvor. Daher empfehle ich für die Aufarbeitung von traumatischen Erinnerungen einen kompetenten Therapeuten, der angemessen in solchen Situationen reagieren kann, anstatt Ihren Zustand zu verschlimmern.

 

Es ist ein gutes Zeichen, wenn Sie bereit sind, sich mit der Vergangenheit zu konfrontieren, um Ihr Leben ab sofort in eine bessere Richtung zu lenken. Nicht jeder Mensch muss diesen Weg gehen, um ein glückliches Leben realisieren zu können, doch für mich war es die einzige Option, um überhaupt ein Leben zu haben. Es erfordert viel Stärke und Mut, aber wenn Sie auch das Gefühl haben, dass es notwendig ist und es darauf hin mit ausreichender Hilfe schaffen, die Ängste zu besiegen, wartet da draußen eine verdammt gute Zeit auf Sie. Achten Sie dabei aber immer auf Ihre Grenzen und Bedürfnisse, sowie innere und äußere Sicherheit und Stabilität, um erneute Flashbacks zu vermeiden. Hier noch ein sehr informativer Text von Sabine Marya, der weitere Tipps für Betroffene gibt:

 

"Flashbacks werfen uns zurück in uraltes Grauen. Es gibt keine Sicherheit im Außen, ihnen zu entgehen, denn wir bewegen uns auf einem Minenfeld: Trigger lauern überall. Nicht alle lassen sich vermeiden, manches Vermeidungsverhalten würde uns auch zu sehr von allem fernhalten, was auch gut sein kann, was wir mögen und was uns gut tut. Und wir wollen uns nicht einsperren in eine Vitrine und von dort dem Leben da draußen zuschauen, sondern leben, wozu eben auch das Risiko gehört, dass wir Gefahren begegnen können. [...]

 

Jeder Mensch hat seine eigenen Trigger und was dem einen Sicherheit bieten kann, das ist für andere ein Trigger. Aber es ist wichtig, um seine eigenen Trigger zu wissen, um die Flashbacks so besser zuordnen zu können und zu begreifen: Das ist ein Flashback und das war der Auslöser dafür. Früher stand ich Flashbacks total hilflos gegenüber, wie gelähmt waren wir allem ausgeliefert, was uns überrollte, bis wir in der Therapie Möglichkeiten gefunden haben, uns da selbst zu helfen. Was uns heute hilft? Erst einmal: sich erden mit atmen!!! Atmen ist das allerwichtigste, denn so lange wir in der Erstarrung bleiben und die Luft anhalten, so lange sind wir nicht handlungsfähig! Für uns war es oberwichtig, das begriffen zu haben. Das wichtigste danach ist erst einmal für uns die Reorientierung in Zeit und Raum: sich vergewissern: es ist HEUTE! Und sich vergewissern, was ich wahrnehme in dem Raum um mich, über alle Sinne, sehen, hören und riechen. [...]

 

Manchmal ist es hilfreich, dass ich meine Position verändere und mich bewege, aber manchmal ist es auch notwendig, erst einmal die Tresorübung zu machen oder einen sicheren inneren Ort für die Kleinen und Jugendlichen zu finden oder innere Helfer zu aktivieren, die uns dabei unterstützen. Wenn nötig, holen wir uns auch Hilfe von außen, so fern das machbar ist. Manchmal hilft es auch, uns mit Eiswürfel oder Coolpacks in die Gegenwart zurück zu holen oder kaltes Wasser über die Hände laufen zu lassen über 5-10 Minuten, was besonders unterwegs meistens machbar ist. Auch fies eklige Gerüche und unangenehmer Geschmack (Zitrone, scharfe Mentholbonbons etc.) sind eine schnelle Hilfe zur Reorientierung für uns geworden, etwas in der Richtung haben wir immer bei uns."

 

Vor allem aber nennt Marya in Ihrem Ratgeber "Das neue Hand in Hand" einen wichtigen Punkt, um Flashbacks zu vermeiden: "Auseinandersetzung mit Zorn, Schmerz, Verlust, Trauer, Wut, Hass, Hilflosigkeit, Angst, Panik, Bedrohung, Todesnähegefühl, Abspaltung, Ohnmacht, Kontrollverlust, Ausgeliefertsein in Vergangenheit und Gegenwart."

 

Der oben erwähnte Punkt hat mir enorm geholfen, mich nicht mehr so sehr vor Flashbacks zu fürchten, jedoch hat es Jahre gedauert, bis ich die Ängste und Wut durch Malereien, Texte, Musik und diverse Bühnenauftritte verarbeiten konnte. Der Mensch, der damals hätte glücklich sein können, ist mit dem Trauma gestorben, aber ich habe die Hoffnung nie aufgegeben, den unglücklichen Menschen, der ich bin, genauso hinter mir zu lassen und ein neues Leben anzufangen.

COPYRIGHT

Mone by m³

mymultiple.me

PHOTOS

Credits:Pixabay

pixabay.com

SUPPORT

Urbandesigner

urbandesigner.de

Copyright @ 2018 - All Rights Reserved