EMDR in der Kritik

EMDR - Täuschung für Fortgeschrittene

Vorwort

 

Wirksame Methoden der Trauma-Therapie sind für mich, als Betroffene, ein wichtiges Thema, deshalb schaue ich regelmäßig nach innovativen Ideen und neuen Erkenntnissen. Im Internet wird man heutzutage schnell fündig und so weckte auch die EMDR-Therapie mein Interesse. Eine Reportage berichtete davon als „schnelle und wirksame Traumabehandlung“ und auch viele andere Beschwerden sollen, laut dem Fachverband EMDRIA, schnell und effektiv gelindert werden.

 

In den Bibliotheken reihen sich EMDR-Ratgeber für Erwachsene, Kinder und sogar Babys mit imposanten Titeln wie „Die EMDR-Behandlung von Essstörungen, Bindungsstörungen, Allergien, Schmerz, Angststörungen, Tinnitus und Süchten“, doch noch mehr interessierte mich „EMDR bei komplexen dissoziativen Störungen“. Neugierig befasste ich mich mit der Entwicklung und den Studienergebnissen der Methode und fand dabei immer mehr Ungereimtheiten. Bis irgendwann die Frage aufkam: Handelt es sich bei EMDR tatsächlich um ein nützliches Werkzeug der Psycho-Therapie oder eher um ein cleveres Geschäftsmodell, das den Trauma-Patienten als profitable Marktlücke erkannt hat? Diese Entscheidung überlasse ich am Ende jedem selbst. Kritiker und Befürworter können sich zumindest einigen, dass EMDR eine ungeklärte Methode mit einem enormen Versprechen ist, sodass viel Raum für interessante Diskussionen offen bleibt.

 

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EMDR - Ein Durchbruch in der Trauma-Therapie?

 

 

„EMDR entstand infolge einer zufälligen Beobachtung, die ich im Mai 1987 machte.

Als ich eines Tages durch einen Park ging, merkte ich, dass gewisse belastende

Gedanken, die mich verfolgt hatten, plötzlich verschwanden.“

Francine Shapiro

 

Im Jahr 1989 beschrieb Francine Shapiro, die Erfinderin von EMDR, erstmals ihre zufällige Entdeckung im Zusammenhang mit einer positiven Wirkung bei posttraumatischen Symptomen. Sie untersuchte ihre Theorie in einer Studie mit 22 Patienten und veröffentlichte die Ergebnisse im “Journal of traumatic Stress”. Darin berichet sie, dass Therapeuten mit einer einzigen 50-minütigen Sitzung "eine vollständige Desensibilisierung von 75-80%" erreichen könnten, um die “mit einem traumatischen Gedächtnis verbundene Distanz zu 100 Prozent bei allen Patienten” abzuschaffen.

 

Shapiro, die zuvor als Englischlehrerin tätig war, macht selbst kein Geheimnis daraus, dass sie ihren Doktortitel in der gleichen Zeit von einer Fachhochschule in San Diego erhielt, die staatlich nicht anerkannt war und heute nicht mehr existiert. Jedoch war schon damals offiziell bekannt, dass man an dieser Schule, der "Professional School of Psychological Studies“ einen Doktorgrad für etwa 10.000 Dollar kaufen konnte, um dem eigenen Lebenslauf den Schein akademischer Glaubwürdigkeit zu verleihen.

 

Shapiro nannte ihre Idee von nun an "Eye Movement Desensitization and Reprocessing" und gründete anschließend das erste EMDR-Institut. Dort förderte sie ihre damals sehr experimentelle Methode, indem sie weltweit Workshops für Therapeuten anbot. Die Ergebnisse, die sie dort präsentierte, erregten schnell die Aufmerksamkeit vieler Psychiater und Psychologen, die es bisher gewohnt waren, sehr viel Zeit mit ihren traumatisierten Patienten zu verbringen. Shapiro weckte in ihnen die Hoffnung, dass simple Augenbewegungen den Desensibilisierungsprozess stark beschleunigen könnten, sodass sich die Behandlungszeit enorm kürzen lässt, was vor allem den Patienten zugute käme.

 

Da EMDR keine wissenschaftliche Grundlage hatte, bestand Shapiro zunächst darauf, dass die Behandlung durch klinische "Erfahrung" motiviert sei, ohne jedoch entsprechende Daten vorzulegen. Als weitere Studien beweisen konnten, dass EMDR keine Wirkung zeigt, behauptete Shapiro, dass ihre Methode in diesen Fällen nicht ordnungsgemäß eingesetzt wurde, während Studien mit positiven Resultaten eine gute "Behandlungstreue" hätten. Das Argument klingt zunächst vernünftig, aber auf diese Art hat Shapiro auch das Konzept der Behandlungstreue missachtet, indem sie fortwährend das Verfahren und Ausbildungsniveau von EMDR veränderte. So wurde eine ordnungsgemäße Einhaltung beinah unmöglich und die Deutung der Ergebnisse blieb immer eine Frage der Auslegung, sodass sie ihre Tests solange wiederholen konnte, bis die Ergebnisse schließlich in ihr Konzept passten.

 

Einige renommierte Wissenschaftler brachten bald den Einwand, dass die Mehrzahl der Studien EMDR entweder als unwirksam oder weniger wirksam als traditionelle Expositionsmethoden beurteilen. Shapiro ignorierte diese Kritik und versuchte die Stimmen ihrer Gegner zu ersticken, indem sie unermüdlich neue Veröffentlichungen hervorbrachte, die einen positiven Effekt von EMDR belegen sollten. Dabei wies sie auch stets darauf hin, dass ein Ausschuss innerhalb der American Psychological Association (APA) ihre Methode erst kürzlich mit dem Fazit "wahrscheinlich wirksam für zivile PTSD" anerkannt hatte.

 

Leider verlangen die Standards der APA lediglich, dass zwei Studien eine Methode als wirksamer belegen können, als gar keine Behandlung. Jeder, der mit der Geschichte der Psychotherapie vertraut ist, wird verstehen, dass dies keine strenge Voraussetzung ist, denn fast alle psychologischen Interventionen vermitteln ein Gefühl der Hoffnung, zeigen einen Placebo-Effekt und erzielen dadurch bessere Effekte, als keine Behandlung. In diesem Zusammenhang kann man die APA-Auflistung von EMDR wohl mehr als eine Reflexion über die schwachen Kriterien des Komitees ansehen und weniger als berechtigte Empfehlung zur Behandlung von PTBS.

 

Roger Pitman, Professor der Psychiatrie an der "Harvard Medical School" und seine Kollegen gehören zu den prominentesten Forschern auf dem Gebiet der PTBS. Sie nahmen selbst an EMDR-Workshops teil und äußerten sich anschließend zu Shapiros Verfahren: “Shapiro behauptete, dass einfache schriftliche Beschreibungen ausreichen, um die Methode zu lernen. Als die Psychologen die schriftlichen Anweisungen von 1989 umgesetzt hatten und keinen Unterschied zwischen EMDR und einer Nicht-Augenbewegungssteuerung fanden, war es angeblich notwendig, ein Level I Training zu absolvieren. In der Zeit, als ich trainierte, belegten Psychologen in kontrollierten Studien, dass EMDR nicht so effektiv war, wie Shapiro behauptet hatte. Daraufhin wurden sie von Shapiro angeklagt, nur halb trainiert zu sein, weil sie nicht das Level II Zertifikat gemacht hatten.”

 

Daraufhin machten Pitman und seine Kollegen das erwähnte Level II Training und verglichen die Augenbewegungen von EMDR mit einer Kontrollgruppe. Als sie immer noch keinem Unterschied zwischen den Gruppen feststellen konnten, behauptete Shapiro, dass "alternative Formen der bilateralen Stimulation" genauso gut funktionieren könnten, wie die Augenbewegungen - eine These, die Pitman und seine Kollegen zu diesem Zeitpunkt selbst vertraten und ihr somit kaum widersprechen konnten.

 

Die Verschiebungsprozeduren und immer wieder neuen Trainingsanforderungen für EMDR wurden ein scheinbar endloses Aufholspiel für die Wissenschaftler. Jedes Mal, wenn die Unwirksamkeit von EMDR nachgewiesen werden konnte, verwies Shapiro darauf, dass alternative Therapie-Strategien nötig seien und fertigte neue Protokolle an, um behaupten zu können, das ihre Methoden nicht richtig eingesetzt wurden. Shapiro und andere EMDR-Enthusiasten verabschiedeten immer wieder ihre eigenen Theorien, indem sie Hypothesen ständig änderten, sodass ihnen die Auswertung neuer Datenmengen immer wieder genug Zeit gab, um EMDR großflächig in der Öffentlichkeit anzupreisen.

 

Shapiro zeigte einen auffallend unternehmerischen Eifer und trieb den Verkauf ihrer EMDR-Zertifikate in einer Weise voran, die mit den Lehren der Wissenschaft nicht vereinbar ist. Dennoch gab es viele Therapeuten, die EMDR unterstützen, sodass Shapiro den Anwendungsbereich ihrer Methode kontinuierlich erweiterte. Deshalb nutzte man EMDR bald auch für Depressionen, Schizophrenie, Lernschwierigkeiten, Essstörungen, Drogenmissbrauch, multiple Persönlichkeitsstörung und zur Linderung von Krebsbeschwerden. Einige Workshops schlugen zudem den Einsatz für alltägliche Probleme vor, mit Titel wie: "Menschen durch EMDR helfen, ihren Höhepunkt bei der Arbeit zu erreichen" oder "EMDR in der Behandlung chronischer Schmerzen“. Shapiro's Vision des Beitrags von EMDR für eine bessere Gesundheit und Zukunft der Welt schien beinah grenzenlos zu sein.

 

Einige Jahre später erhielt Shapiro den Sigmund-Freud-Preis für Psychotherapie, der von dem “World Council for Psychotherapy” verliehen wird. Dessen Präsident, Alfred Pritz, ist ebenfalls Gründungsrektor der “Sigmund-Freud-Privatuniversität”, die bereits zahlreiche Kritik erhielt, weil sie ein Jahr nach der Akkreditierung 45 Absolventen hervorbrachte, obwohl ein Magisterstudium mindestens 4 Semester beträgt. So bekamen dort einige “Psychotherapeuten” einen Abschluss, von denen, nach Angaben des damaligen Dekans, keiner eine qualifizierte Abschlussarbeit gesehen hat. Hier schließt sich der Kreis in Shapiros Lebenslauf, denn wenn man mich fragt, wurde, gesamt betrachtet, ein bedeutungsloser Preis an eine falsche Doktorin für eine Pseudo-Wissenschaft verliehen.

 

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Forschung versus EMDR - Innovation oder Irreführung?

 

 

"Was ohne Beleg behauptet werden kann, kann auch ohne Beleg verworfen werden", meinte einst der englische Schriftsteller Christopher Hitchens, doch in der Praxis passiert bei EMDR genau das Gegenteil. Allen Behauptungen in Shapiros Studien zufolge, kann ihre Methode traumatische Erinnerungen lindern und bei der Behandlung vieler psychologischer Störungen helfen. Bis heute ist es den EMDR-Befürwortern allerdings nicht gelungen, den funktionalen Mechanismus hinter der vorgeschlagenen Wirksamkeit hinreichend zu erklären oder einen glaubwürdigen Nachweis zu erbringen.

 

Glaubt man der Theorie von Shapiro, öffnet EMDR durch saccadische Augenbewegungen das Informations-Verarbeitungssystem, sodass eine Neukonditionierung von negativen Erkenntnissen stattfinden kann. Durch eine gleichzeitige Neubewertung negativer Einstellungen soll es so zur Erholung von Traumata kommen. Leider scheitert diese Theorie bereits daran, dass die Augenbewegungen, wie sie bei EMDR vollzogen werden, keinesfalls saccadisch sind.

 

Beispiel:

Saccadische Augenbewegungen lassen sich als eine Art "Abtastsprung im Blickverlauf" beschreiben. Stellen Sie sich vor, Sie sitzen in einem fahrenden Zug und verfolgen mit den Augen ein Haus. Sobald es aus dem Blickfeld ist, schnellt ihre Aufmerksamkeit direkt wieder nach vorne, Sie fixieren sofort ein neues Haus, bis es wieder aus dem Blickfeld verschwindet und immer so weiter. Macht man das ganz schnell, kommt es zu einer Überkreuzung der Sichtwahrnehmung, sodass sich die Augen dann sehr schnell und kaum noch kontrollierbar (ballistisch) bewegen.

 

Die in EMDR angewendeten Augenbewegungen sind im Vergleich relativ glatt und kontrolliert, sodass der beschriebene Effekt unmöglich ausgelöst werden kann. So gesehen, ist die EMDR-Theorie bereits ein Widerspruch in sich. Nach der Beweislage diverser empirischer Studien gegen eine generelle Notwendigkeit der Augenbewegungen schlugen EMDR-Befürworter sofort alternative Methoden vor, wie zum Beispiel das abwechselnde Tippen auf beide Hände. Da auch weitere bilaterale Stimulationen kaum eine Wirkung zeigten, konnte bis heute keine einzige Theorie validiert werden, die eine klinische Anwendung von EMDR rechtfertigen würde.

 

Die Befürworter stützen sich bis heute darauf, dass EMDR traumatisierten Menschen mehr als eine Verhaltenstherapie helfen kann. Das ist kaum verwunderlich, denn eine Verhaltenstherapie ist für traumatisierte Menschen nur bedingt zu empfehlen und kann den Patienten bei einer schematischen Anwendung ohne Rücksicht auf seinen diagnostischen Zustand in der Aufarbeitung sogar stark zurückwerfen. Man vergleicht demnach eine Methode, die keine Wirkung zeigt, mit einer ähnlich sinnfreien Methode, die sogar schaden kann.

 

Der amerikanische Psychotherapieforscher Michael J. Lambert bezeichnet EMDR als „abergläubisches Ritual“ und gibt mit einer Untersuchung zu bedenken, dass Patienten mit Schlafstörungen allein durch die Einnahme von Zuckerpillen bis zu 81 Prozent einen Therapieerfolg zeigten. Da EMDR über keine wissenschaftliche Grundlage verfügt, könnte man bei den angeblichen Erfolgen ebenso von einem Placebo-Effekt ausgehen, da dieser in den eigenen Studien nicht überprüft wurde. Zudem ist die objektive Analyse bei psychologischen Störungen ein sehr wichtiger Bestandteil der klinischen Beurteilung, doch in den Studien, die sich für EMDR einsetzen, wurden keine diagnostischen Referenzwerte berücksichtigt.

 

Auf Grundlage der dargestellten Evidenzen bleibt weiterhin die Frage offen, wie EMDR denn nun funktionieren soll. Nehmen wir zum Beispiel die ursprüngliche Vorstellung, dass die Wirksamkeit von EMDR mit Korrekturen der exzitatorischen (erregenden) und hemmenden Balance im Gehirn zusammenhängt, so wie es Shapiro behauptet hat. Sie ging davon aus, dass traumatische Stimuli diese empfindliche Balance stören, was zu einer pathologischen Veränderung der neuronalen Komponenten führen würde, sodass die Reize unverändert in ihrer ursprünglichen Angst-evozierenden Form festgehalten werden.

 

Weil derartige Theorien von empirischen Erkenntnissen weit entfernt waren, wurden über die Jahre hinweg zahlreiche Modifikationen an der Anfangstheorie vorgenommen. So ließ sich das allgemeine Image deutlich verbessern und ließ die Behandlungen nach außen seriöser erscheinen. Mit der Zeit wurde nun immer schwerer erkennbar, dass es EMDR generell an wissenschaftlicher Qualität mangelte.

 

Zudem wurden Begündungen formuliert, von denen zunächst niemand das Gegenteil behaupten konnte. Eine authentische wissenschaftliche Methode hängt allerdings stark von dem Begriff der Falsifizierbarkeit ab, also der Möglichkeit, eine Vorhersage oder Theorie als falsch beweisen zu können (sodass z.B. die Existenz eines Gottes niemals wissenschaftlich bestätigt werden kann, egal wie viele Menschen daran glauben). Auf diese Art kann so ziemlich alles behauptet werden, entzieht sich damit aber auch jeder wissenschaftlichen Grundlage.

 

Jeffrey Lohr, Professor der psychologischen Universität von Arkansas und seine Kollegen hielten in einem Artikel über die "pseudowissenschaftliche Entwicklung von EMDR" fest: “EMDR verletzt dieses Gesetz, indem es einfach ergänzende Theorien einführt, um empirische Ergebnisse zu berücksichtigen, die seine Wirksamkeit negieren. Im Wesentlichen besteht die Entwicklung von EMDR aus Sätzen zahlreicher Theorien, die als wissenschaftlich verkleidet sind, aber nicht empirisch getestet werden können. Aufgrund der kontinuierlichen Modifikationen sind die EMDR-Theorien konsequent mit jedem denkbaren empirischen Ereignis konfrontiert.”

 

Als die fehlerhaften EMDR-Theorien ihren Zweck nicht mehr erfüllten, mussten schnell neue Erklärungen her. Seitdem wird von Befürwortern noch ausdrücklicher formuliert, dass EMDR die Wahrnehmung durch positive Glaubenssätze verändern könnte, wobei der Patient daran gehindert wird, seine wahren Gefühle zu erleben. In der vierten Phase einer EMDR-Sitzung wird dazu motiviert, negative Ansichten einfach zu überschreiben. Dafür wählt der Patient zunächst einen unangenehmen Gedanken (z.B. "Ich bin ein schlechter Mensch") in Bezug auf das traumatische Ereignis und fügt eine positive Idee hinzu (z.B. "Ich bin eine nette Person"). Der Patient soll nun die positive Botschaft fokusieren, während die Augenbewegung fortgesetzt wird, bis "der schlechte Mensch" verdrängt und "die nette Person" mit dem traumatischen Gedächtnis verknüpft werden kann.

 

Wer sich mit den neurologischen Hintergründen von PTBS beschäftigt, weiß nach heutigem Wissensstand, dass es zu einer scheinbaren Fragmentierung traumatischer Erinnerungen kommt, weil der Mensch psychischen oder physischen Schmerz während eines Traumas dissoziiert, also vom Bewusstsein abspaltet. Durch die daraus resultierende Amnesie kann das Erlebte weder ganzheitlich wahrgenommen, noch mit Gefühlen verbunden werden, die Erinnerung bleibt jedoch "unterbewusst" im Gehirn gespeichert. Die Abtrennung von Wahrnehmung und Emotion ist also die Ursache der Symptome und kann deshalb unmöglich auch gleichzeitig die Lösung des Problems sein. Daher sind Zweifel angebracht, dass EMDR etwas zu einer Trauma-Therapie beiträgt, es sei denn, Sie glauben daran, dass sich tief sitzende Emotionen wie Schuld und Hass, die sich ein Leben lang verinnerlicht haben, mit ein paar Augenbewegungen wegpendeln lassen.

 

Bei einer ernsthaften Traumatherapie sollte es das Ziel sein, Verdrängung und Selbsttäuschung zu reduzieren, anstatt sie zu fördern. Das EMDR-Konzept setzt dagegen auf diverse Täuschungsmanöver und verhindert somit das Vertrauen in die eigenen Gefühle, die so auch zukünftig nicht verarbeitet und aufgelöst werden und sich stattdessen weiterhin mit dissoziativen Symptomen bemerkbar machen können.

 

Zusammengefasst fehlt EMDR eine theoretische Grundlage, die notwendig ist, um als wissenschaftliche Methode anerkannt zu werden. Zudem sind die empirischen Beweise, welche angeblich eine Wirksamkeit belegen, fehlerhaft und inkonsistent. Trotz der stürmischen Entwicklung immer wieder neuer Theorien, sowie der Verweigerung von Beweisen für die Wirksamkeit und zahlreichen Gegenargumenten wird EMDR heutzutage mit einer naiven Begeisterung von vielen Therapeuten unterstützt. Was die vorzeitige Akzeptanz jedoch für langfristige Auswirkungen auf den Patienten haben wird, lässt sich nur vage vermuten.

 

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Nachwort

 

Falls Sie sich für innovative Therapieformen interessieren, prüfen Sie vorab, ob die präsentierten Studien nach methodischen Regeln und unabhängig von industriellen Interessen durchgeführt wurden, damit Publikations-Bias (statistisch verzerrte Darstellung von Daten) und systematische Fehler die Ergebnisse nicht beeinträchtigen. Eine neutrale Auswertung der Daten ist zudem nur möglich, wenn auch negative Evidenz berücksichtigt wird. Dafür können Sie zum Beispiel die Cochrane-Library nutzen, ein unabhängiges, internationales Netzwerk von 37.000 Wissenschaftlern und Ärzten aus über 130 Ländern.

 

 

Von Cochrane anerkannte Studien über EMDR:

 

Psychological therapies for chronic PTSD in adults

DOI: 10.1002/14651858.CD003388.pub4

Veröffentlichung: 13. Dezember 2013

Studienumfang: Review aus 70 Studien

Urheber: Jonathan I. Bisson, Neil P. Roberts, Martin Andrew, Rosalind Cooper, Catrin Lewis

Ergebnis: Die geprüften positiven EMDR-Studien weisen erhebliche Fehler auf und werden angezweifelt

 

Psychological therapies for children and adolescents exposed to trauma

DOI: 10.1002/14651858.CD012371

Veröffentlichung: 11. Oktober 2016

Studienumfang: 6201 Teilnehmer, 51 Durchgänge.

Urheber: Donna Gillies, Licia Maiocchi, Abhishta P. Bhandari, Fiona Taylor, Carl Gray, Louise O'Brien

Ergebnis: EMDR ist bei PTBS genauso wirkungslos wie eine kognitive Verhaltenstherapie

 

Psychological interventions for PTSD in people with severe mental illness

DOI: 10.1002/14651858.CD011464.pub2

Veröffentlichung: 24. Januar 2017

Studienumfang: 300 Teilnehmer, 4 Durchgänge

Urheber: Jacqueline Sin, Debbie Spain, Marie Furuta, Trevor Murrells, Ian Norman

Ergebnis: EMDR ist generell wirkungslos

 

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Literaturnachweise

 

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Wikipedia-Eintrag von Francine Shapiro: https://en.wikipedia.org/wiki/Francine_Shapiro ; Vermerk 7; http://www.skepdic.com/diplomamill.html ; (Stand: September 2017)

 

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