Symptome

Symptomatik Dissoziativer Störungen

Amnesie, Flashbacks & Co

 

Borderline

PTBS

DDNOS

DIS

Hypervigilanz

X

X

X

X

SVV, BTM-Sucht

/

/

/

X

Flashbacks

/

X

X

X

Depression

/

X

X

X

Derealisation

/

/

/

X

Dissoziat. Stupor

 

/

/

X

Dissoziat. Fugue

 

 

/

X

Dissoziat. Amnesie

 

 

/

X

PTBS = Posttraumatische Belastungsstörung / DDNOS = Dissoziative Störung nicht nächer bezeichnet / DIS = Dissoziative Identitätsstörung

SVV = Selbstverletzendes Verhalten / BTM = Betäubungsmittel / Stupor = Körperstarre / Dissoziative Fugue = Nicht erinnerbares Verhalten

/ = Teilweise X = Häufig

Amnesie

 

  • Plötzliche Desorientierung und Aufwachen an unbekannten Orten
  • Verschwinden und Erwerb von Gegenständen ohne Erinnerung
  • Keine oder kaum Erinnerungen an große Zeiträume in der Kindheit
  • Rückmeldung von Anderen über eigenes befremdliches Verhalten
  • Verletzungen am Körper, ohne deren Ursache zu kennen
  • Plötzliches Vergessen für alles, was eben noch passiert ist
  • Erlebnisse lassen sich oft nur von Zeugen rekonstruieren
  • Unbekannte Personen grüßen auf der Straße
  • Gedächtnislücken und unerklärbare Zeitverluste
  • Nicht erinnerbares Verhalten (Dissoziative Fugue)

Depersonalisation / Derealisation

 

  • Das Gefühl, sich im falschen, bzw. fremden Körper zu befinden
  • Realität erscheint wie ein Computer-Spiel mit seltsamen Artefakten
  • Körper und Umwelt erscheinen unwirklich, als würde man träumen
  • Plötzliches Wegtreten, lebendige Tagträume oder Trance-Zustände
  • Eingegebene, aufdrängende Gedanken oder Gedankenentzug
  • Häufige Orientierungslosigkeit in Raum und Zeit
  • Das eigene Spiegelbild nicht wiedererkennen
  • Sich außerhalb des Körpers wahrnehmen
  • Zeitweise fremdartig erlebtes Sprechen
  • Innere Dialoge oder Streitgespräche

Flashbacks

 

  • Intensives Wiedererleben eines vergangenen Erlebnisses
  • Trauma-erinnernde Bilder, Geräusche oder Körperempfindungen
  • Bedrohliche Wahnvorstelllungen (schwarzer Mann am Bett)
  • Sequenzartige Erinnerungen, die sich nicht einordnen lassen
  • (Kinder-)Stimmen im Kopf, die drohen, fluchen oder wimmern
  • Déjà-vu-Erlebnisse, die sich nicht zuordnen lassen
  • Ängste und Phobien vor bestimmten Schlüsselreizen
  • Starke Angstzustände oder Panikattacken
  • taktile, visuelle oder auditive Halluzinationen
  • Albträume, die an das Trauma erinnern

Somatisierung

 

  • Unerklärliche Schmerzen an verschiedenen Stellen des Körpers
  • Bewegungsstörungen, Rückenschmerzen, Lähmungserscheinungen
  • Kopfschmerzen, Sehstörungen, Konversions- und Schluckprobleme
  • Magenkrämpfe, Verdauungsprobleme, Schwindel und Erbrechen
  • Verringerung der Reaktionen auf äußere Reize (Analgesie)
  • Parästhesie (unerträgliches Kribbeln auf der Haut)
  • Motorische Störungen, mangelnde Koordination (Ataxie)
  • Plötzliches Fieber, starkes Muskelzittern, Schüttelfrost
  • Dermatologische Reaktionen (Hautauschlag, Ekzeme)
  • Körperstarre (Stupor), Bewusstlosigkeit (Synkope), Katatonie

Depression / SVV / Sucht

 

  • Emotionale Taubheit, Negativismus
  • Übermäßiges Essen oder Hungern
  • Nervenzusammenbrüche, Burn-Out
  • Substanzmissbrauch, Alkoholkonsum
  • Wiederholt auftretende Selbstmordgedanken
  • Selbstverletzungen (Schneiden der Haut)
  • Pathologische Sexualität
  • Mangelnde Selbstfürsorge
  • Soziale Isolation
  • Schlaflosigkeit

Identitätsverlust

 

  • Handlungen werden nicht unter der eigenen Kontrolle erlebt
  • Nicht zu sich gehöriges Sprechen, Denken, Fühlen und Verhalten
  • Zeitweise fremdartig erlebte Fertigkeiten oder Fähigkeiten
  • Plötzliches Vergessen, wie man Auto fährt, Piano spielt, etc.
  • Verschiedene Handschriften, fremdartige Notizen im Besitz
  • Ambivalente Vorlieben / Abneigungen, Weltanschauungen
  • Irritierende Erfahrung von verändertem Identitäts-Erleben
  • Periodisch auftretende Depression, Manie, Suizidalität
  • Verlust der eigenen Sprache oder Verstummung (Mutismus)
  • Ständig wechselnde soziale und sexuelle Identität

Zeitweise unterschiedliche...

 

  • Augenfarbe, Sehfähigkeit
  • Reaktion auf Medikamente
  • Allergien (Laktoseintoleranz, Heuschnupfen)
  • Blutzuckerspiegelwerte (Diabetis)
  • Immunreaktion, Hautoberflächen
  • Reaktion auf Alkohol und Nahrungsmittel
  • Farbwahrnehmung und Schmerzempfindlichkeit
  • Befunde von fMRT, EEG, SPECT und PET
  • Reaktionen auf die gleichen äußeren Reize
  • Stimmen, Akzente und Artikulationen

------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

 

 

 

Bin ich viele?

Erste Anzeichen einer multiplen Persönlichkeit

 

 

Multiple Personen haben in den meisten Fällen eine Vielzahl an Symptomen aufzuweisen, die in ihrer Häufigkeit und Schwere unterschiedlich ausgeprägt sein können.

 

Die meisten Betroffenen spüren schon seit ihrer Kindheit, dass etwas nicht mit ihnen stimmt, da sie oft auf Unverständnis bei ihren Mitmenschen stoßen. Sie versuchen sich und anderen deshalb nicht selten über Jahrzehnte ihre irrationalen Verhaltensweisen und Empfindungen zu erläutern, ohne selbst eine Erklärung dafür zu haben.

 

Freunde und Kollegen haben manchmal große Schwierigkeiten mit dem widersprüchlichen und unvorhersehbaren Verhalten. Um nicht ausgegrenz zut werden, verbergen die Betroffenen deshalb zunehmend ihre "Parallel-Welten", versuchen krampfhaft, sich anzupassen oder hinter einer Maske der Normalität zu verstecken. Einigen fällt es auch sehr schwer, auf andere Menschen zuzugehen, sodass sie sich unfreiwillig aus der Gesellschaft zurückziehen. Ihre Erlebnisse sind manchmal so schockierend, dass sie sich mit niemanden darüber austauschen können, bis sie sich irgendwann die Frage stellen: "Bin ich verrückt?".

"Die Vorstellung, andere wohnen in meinem Körper und übernehmen die Kontrolle, während ich einen Filmriss habe, ist für keinen Menschen angenehm: Dann lieber die Zeitverluste und Flashbacks mit Drogen- oder Alkoholkonsum erklären oder eine ‚Amnesie für die Amnesie‘ entwickeln, oder doch lieber einfach nur irgendwie verrückt sein."

von der Hart et al. zitiert nach Deisler & Vogler (2005); S. 158

Betroffene sind sich ihres gesamten Selbstbildes und Erlebens unsicher, können sich an große Zeiträume nicht mehr erinnern und zweifeln enorm an ihrer Wahrnehmung. Anfangs haben sie vielleicht schon den Verdacht, dass sich mehrere unterschiedliche Persönlichkeiten in ihrem Körper befinden, denn Ideale, die sie eben noch gepredigt haben, sind auf einmal völlig unwichtig. Menschen, denen sie gerade noch vertrauten, empfinden sie im nächsten Moment als bedrohlich oder sind vielleicht plötzlich allergisch auf ihr Lieblingsessen.

 

Die ambivalenten Weltbilder und Gefühle werden zwar wahrgenommen, doch der Betroffene versucht seine Ungereimtheiten zu vertuschen, um im normalen Alltag nicht aufzufallen. Er kopiert in der Rolle des Hosts das Verhalten anderer Menschen und verbraucht dabei oft seine gesamte Energie, um diese Fassade aufrecht zu halten.

„Viele Psychotherapeuten haben gelernt (oder nehmen an), dass DIS eine seltene Störung mit dramatischem und floridem Erscheinungsbild ist. Dies ist jedoch nicht der Fall. Vielmehr beschreibt Kluft, dass „nur 6% aller DIS-Patienten ihre DIS beständig sichtbar machen“ (R. P. Kluft, 2009, S. 600). In den meisten Fällen zeigen sich allenfalls begrenzte Momente der Sichtbarkeit, die Kluft als „Zeitfenster der Diagnostizierbarkeit“ bezeichnet.“

J. A. Chu (2011); S.10

Aus Angst vor unberechenbaren oder schamvollen Momenten, versuchen Betroffene den Wechsel der Identitäten in der Öffentlichkeit oft mit letzter Kraft zu unterbinden. Diese Anpassung gelingt einigen für einen langen Zeitraum äußerst gut, sodass niemand (ihnen selbst eingeschlossen) etwas von dem Identitätenwechsel mitbekommt, solange keine extremen Belastungssituationen dazu führen, dass andere Persönlichkeiten zum Vorschein treten.

"Oft sind sich Multiple Persönlichkeiten gar nicht dessen bewusst, dass sie verschiedene Facetten aufweisen. Erst wenn sie bemerken, dass sie unterschiedliche Handschriften haben, sie von Fremden wiedererkannt werden oder sie im eigenen Haus fremde Gegenstände vorfinden bzw. auf seltsame Weise Dinge verschwinden, meinen sie, man hätte ihnen einen Streich gespielt."

C.A. Ross (1989)

Nach einer Weile wird ein Betroffener sich fragen, warum in seiner Gegenwart immer wieder mysteriöse Dinge geschehen und wird nach Antworten auf seine unbegreifbaren Zustände suchen. Die Vermutung, nicht alleine in seinem Körper zu sein, löst bei vielen Betroffenen Entsetzen, Angst und Verunsicherung aus, doch gleichzeitig gibt es ihnen eine große Erleichterung, zu erfahren, dass sich ihre Zustände plausibel erklären lassen und keineswegs verrückt sind.

 

Da die Symptome einer multiplen Person von den meisten Fachärzten als Psychose gedeutet werden, sammeln Betroffene im Laufe ihres Lebens die unterschiedlichsten psychiatrischen Diagnosen. Durch die hohe Komorbidität mit anderen Störungen werden oftmals naheliegende Erkrankungen wie die bipolare Störung, Borderline, Depression oder Angststörungen diagnostiziert. Die darauf folgende falsche Behandlung kann verherende Konsequenzen haben, deshalb ist es wichtig, frühzeitig zu erkennen, ob es sich um eine dissoziative Störung handeln könnte. Um sie von anderen Krankheitsbildern zu differenzieren, kann durch eine Anamnese zunächst nach Traumatisierungen in der Kindheit und möglichen Gedächtnislücken im Lebenslauf gefragt und ein Test oder Fragebogen ausgefüllt werden..

„Das Hauptmerkmal der Dissoziativen Störungen ist eine Unterbrechung der normalerweise integrativen Funktionen des Bewusstseins, des Gedächtnisses, der Identität oder der Wahrnehmung der Umwelt. Die Störung kann plötzlich oder allmählich auftreten und sowohl vorübergehend wie chronisch verlaufen.“

Saß et al. (1996); S. 543

Kurz gefasst, lässt sich eine DIS durch einen Verlust der körperlich-psychischen Einheit und mit dem Vorhandensein von mindestens zwei unterschiedlichen Identitäten beschreiben, die durch bestimmte Auslöser wechselhaft Kontrolle über das Verhalten der Person übernehmen und sich im Alter, Geschlecht, Sprache und ihren Fähigkeiten unterscheiden.

Literatur

 

Deistler, Imke & Vogler, Angelika. (2005). Einführung in die Dissoziative Identitätsstörung; (2. Auflage) Junfermann, Paderborn

James A. Chu (2011); Expertenempfehlung für die Behandlung der Dissoziativen Identitätsstörung (DIS) bei Erwachsenen

Ross, C. A. (1989); Multiple Personality Disorder: Diagnosis, Clinical Features, and Treatment. New York: Wiley

Saß, H. (1996); Diagnostisches und Statistisches Manual psychischer Störungen DSM-IV; Göttingen: Hogrefe

Symptome

 

Kategorien & Übersicht

COPYRIGHT

Mone by m³

mymultiple.me

PHOTOS

Credits:Pixabay

pixabay.com

SUPPORT

Urbandesigner

urbandesigner.de

Copyright @ 2018 - All Rights Reserved